Ein Leitfaden für ein entspanntes Neujahr mit Hund und Katze.
Jedes Jahr an Silvester scheiden sich die Geister: Während die einen das neue Jahr mit bunten Lichtern und lauten Knallern begrüßen, kauern Millionen von Hunden und Katzen zitternd unter dem Sofa oder im Badezimmer. Aber warum ist das Feuerwerk für unsere vierbeinigen Freunde eigentlich so schlimm? Und wie können wir sie wirklich schützen?
Warum Hunde und Katzen unter dem Lärm leiden
Unsere Haustiere erleben die Silvesternacht völlig anders als wir. Das liegt vor allem an ihren hochsensiblen Sinnen:
- Das Gehör: Hunde und Katzen hören Frequenzen, die für uns Menschen längst lautlos sind. Ein Böllerknall ist für sie nicht nur laut, sondern oft physisch schmerzhaft.
- Unvorhersehbarkeit: Tiere verstehen das Konzept von "Feiertagen" nicht. Für sie bricht plötzlich und ohne Vorwarnung ein bedrohlicher Zustand aus.
- Geruchssinn: Der beißende Schwefelgestank von verbranntem Schwarzpulver signalisiert Tieren instinktiv Gefahr (Feuer).
Vorsicht vor dem TikTok-Trend: Ohrenschützer als Pseudosicherheit
Aktuell sieht man auf Plattformen wie TikTok immer häufiger Haustiere mit speziellen Gehörschutz-Kopfhörern oder engen Stirnbändern ("Muffs"). Was in den Videos oft "süß" aussieht, ist bei Experten höchst umstritten.
Wichtig zu wissen: Viele dieser Produkte halten nicht, was sie versprechen. Das tierische Gehör ist so fein, dass Schallwellen auch über die Knochenleitung am Kopf übertragen werden. Zudem erzeugen diese eng anliegenden Schützer bei vielen Tieren zusätzlichen Stress. Sie bieten oft nur eine Pseudosicherheit, die dazu führen kann, dass Besitzer die wahre Angst ihres Tieres unterschätzen.
Rücksicht statt Totalverbot?
Die Debatte um ein Verbot von privatem Feuerwerk ist komplex. Man muss vielleicht nicht alles sofort verbieten, aber ein bewussterer Umgang ist dringend nötig. Besonders kritisch sind illegale Import-Böller. Diese sind oft um ein Vielfaches lauter und unberechenbarer als die frei verkäuflichen, geprüften Feuerwerkskörper.
Ein wenig Rücksichtnahme – zum Beispiel das Böllern auf die Zeit um Mitternacht zu beschränken und Abstand zu Tierheimen oder Wäldern zu halten – würde schon viel bewirken. Eine moderne und tierfreundliche Alternative sind zudem Drohnenshows: Sie bieten spektakuläre Lichteffekte am Himmel, sind aber völlig lautlos und hinterlassen keinen Müll.
Training für ein schreckensfreies Feuerwerk
Echtes Training braucht Zeit und lässt sich nicht durch schnelle Gadgets ersetzen. So bereitest du dein Tier vor:
- Geräusch-Desensibilisierung: Spiele Feuerwerksgeräusche (z.B. von YouTube) erst ganz leise während positiver Aktivitäten wie Füttern oder Spielen ab. Steigere die Lautstärke über Wochen nur minimal.
- Sicherer Rückzugsort: Schaffe eine „Höhle“ in einem ruhigen Raum. Abgedunkelte Fenster helfen gegen die Lichtblitze.
- Positive Verknüpfung: Wenn es draußen knallt, sollte es die absolut besten Leckerlis geben. Ziel ist die Verknüpfung: "Knall = Belohnung".
- Gelassenheit vorleben: Dein Tier orientiert sich an deiner Körpersprache. Bleib ruhig, souverän und vermeide übermäßiges Bemitleiden, um die Angst nicht zu bestätigen.